In der Süddeutschen Zeitung gab es gestern eine sehr gute Zusammenfassung darüber, wie die Politik das Dilemma der Hebammen ignoriert. Es scheint tatsächlich so, als gäbe es kein Interesse daran, den Beruf der Hebamme für die Zukunft zu erhalten:

„Der Mangel ist also politisch gewollt und mit Absicht herbeigeführt. Verschärfend kommt hinzu, dass die Haftpflichtversicherung der Hebammen inzwischen viel teurer als die der Ärzte ist und nur noch von denen bezahlt werden kann, die wie ein Workoholic arbeiten. Getaktete Geburten am Fließband, das ist wohl die durchkommerzialisierte Vision der Finanzoptimierer. Für Schwangere ein Grauen. Das Lamento über den Mangel an Hebammen, das von Politikern und Funktionären des Gesundheitssystems gerne angestimmt wird, ist mehr als scheinheilig, etwa so, wie wenn ein Feuerwehrmann neben einem brennenden Haus steht und immer nur schreit „es brennt, es brennt!“, anstatt seinen Schlauch aufzudrehen und zu löschen. Wir brauchen eine adäquate Bezahlung dieser kleinen, aber entscheidenden Berufsgruppe und eine solidarische, gesamtgesellschaftliche Übernahme eines Großteils der Versicherungskosten, damit die Hebammen davon nicht „erschlagen“ werden. Unter diesen geänderten Rahmenbedingungen wäre der Hebammenberuf schlagartig attraktiv genug, der Unterversorgung ein Ende zu bereiten.“ Rainer Bartesch, Pöcking-Maising